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Lagerverwaltung: Warum lagern wir?

Lagerverwaltung: Warum lagern wir?
Lagerverwaltung ist die Kunst, das Lager- und Versandsystem effektiv und effizient zu betreiben. Lager und Materialflusssysteme sind wesentliche Elemente im Warenfluss, die die Verbindung zwischen Sender und Empfänger herstellen und organisieren. Eine effiziente Lagerverwaltung erfordert nicht nur lückenlose Informationen über die notwendigen Prozesse, sondern auch tiefgehendes technisches Know-how für die erfolgreiche technische und operative Umsetzung des Gesamtsystems. Für das Erreichen dieses Ziels gibt es jedoch keine allgemeingültigen und universellen Regeln. Zu den Einflussfaktoren gehören unter anderem die Anforderungen aus der Bestellstruktur des Kunden, die Vielfalt von Produkten und Dienstleistungen, Produktionsanforderungen und vieles mehr.
Prof. Dr. Mehmet TANYAŞ
Maltepe Universität
Leiter der Abteilung für Internationalen Handel und Logistikmanagement
Präsident der Logistikvereinigung (LODER)
Lagerverwaltung ist die Kunst, das Lager- und Versandsystem effektiv und effizient zu betreiben. Lager und Materialflusssysteme sind tragende Säulen im Güterstrom; sie stellen die Verbindung zwischen Absender und Empfänger her und organisieren diese. Eine effiziente Lagerverwaltung erfordert neben der lückenlosen Information über die notwendigen Prozesse tiefgehendes technisches Know-how, das die erfolgreiche technische und operative Umsetzung des Gesamtsystems beinhaltet. Für die Erreichung dieses Ziels gibt es jedoch keine allgemeingültigen und universellen Regeln. Anforderungen aus der Bestellstruktur des Kunden, Unterschiede bei Produkten und Dienstleistungen, Produktionsanforderungen und viele weitere Faktoren spielen hierbei eine Rolle.
Ein wichtiges zu lösendes Problem betrifft die fehlerfreie Umsetzung des Systems. Fehler in der Anfangsphase führen nicht nur zu erheblichen Kosten, sondern bergen auch Risiken wie Kundenverlust, ein negatives Marktimage oder intensive Reklamationen, die den geschäftlichen Erfolg eines Unternehmens mittel- und langfristig gefährden können. Es ist immer essenziell, ein passendes und effizientes System zu finden.
Obwohl der Begriff Lagerung oft negative Assoziationen wie hohe Kosten und nicht wertschöpfende Zeiten hervorruft, müssen die meisten Unternehmen in der Praxis aus verschiedenen Gründen ihre Produkte lagern. Aus logistischer Sicht ist das Unterscheidungsmerkmal, dass die Lagerung ein geplanter Prozess ist, der sowohl zeitlich als auch standortbezogen von Bedeutung ist. Die Antworten auf die Frage, warum wir lagern, sind im Folgenden aufgeführt.
Steigerung der Logistikleistung: Die sofortige Erfüllung eines Auftrags ist eine der grundlegenden Kundenanforderungen. Da Auftragszeitpunkt und Bestellmenge bei großen Produktmengen nicht exakt vorhersehbar sind, besteht der erste Ansatz darin, eine gewisse Menge an Produkten auf Lager zu halten, was auch als Sicherstellung der Lieferbereitschaft definiert werden kann. Dieser Prozess ist besonders dann gerechtfertigt, wenn zwischen Produktions- und Konsumregionen eine große Distanz liegt und Zollformalitäten anfallen. Ferne Märkte sind oft nur über eine Lagerung erreichbar. Die heutige Zunahme der Produktvielfalt, der Trend zu häufigeren, kleineren Chargenbestellungen und immer kürzeren Lieferzeiten machen die Logistikdienstleistung zu einem entscheidenden Faktor bei der Lieferantenauswahl. Ein Unternehmen kann sich am Markt etablieren, seine Marktposition sichern oder verbessern, indem es sein Distributionszentrum effektiv und effizient betreibt. Naturgemäß erfordert die Bestandsführung eine kontinuierliche Kontrolle der Bestände und eine Optimierung des Bestellsystems, um Überbestände oder Langzeitlagerung zu vermeiden.
Sicherung der Produktivität: Lieferketten, die für Just-in-Time-Lieferungen ausgelegt sind und in diesem Rahmen mit minimalen Beständen arbeiten, reagieren äußerst empfindlich auf Schwankungen. Daher ist einer der Hauptgründe für die Bevorratung auf Lieferantenseite die Vermeidung von kostspieligen Situationen wie Linienstillständen.
Anbieten von Zusatzleistungen: Kunden verlangen heute nicht mehr nur die kurzfristige Lieferung eines einzelnen Produkts oder Materials. In fast allen Bereichen nehmen Produktvarianten und -modelle zu. Eine Möglichkeit, die Kosten niedrig zu halten, besteht darin, Standard- und Modulteile zu verwenden und die Produktvielfalt so spät wie möglich in den nachgelagerten Phasen zu realisieren (Postponement-Prinzip). Diese Konsolidierungsleistungen werden zunehmend in Distributionszentren erbracht. Andererseits können Produkte über spezialisierte Vertriebskanäle geliefert werden. Beispielsweise werden das Hinzufügen von Verkaufsinformationen (Etiketten usw.) oder Werbeaktivitäten in die Distributionszentren verlagert.
Reduzierung der Transportkosten: Einer der Hauptgründe für die Bestandsführung ist die Reduzierung der Transportkosten durch den Einsatz von Fahrzeugen mit hoher Kapazität und die optimale Ausnutzung der Ladekapazität (Komplettladungen). Zudem erfordert dies eine Optimierung der Handlingprozesse beim Wareneingang und -ausgang. Generell ist der häufige Transport von Produkten in kleinen Margen deutlich weniger effizient als der konsolidierte Großmengentransport, bei dem bestehende Kapazitäten (Equipment, Fahrzeuge etc.) effizienter genutzt werden können. Insbesondere dem Einzelhandel fehlt oft die Kapazität (Anzahl der Tore, Arbeitskräfte etc.), um mit häufigen Lieferungen umzugehen; aus diesem Grund werden in diesen Zwischenstufen (Lagern) auf die Bestellungen abgestimmte Liefermengen konsolidiert.
Ausgleich von Produktion und Konsum: Obwohl sich der Markt vor langer Zeit von einer Verkäufer- zu einer Käuferorientierung und damit zur bedarfsgerechten Produktion (Pull-System) gewandelt hat, müssen viele Unternehmen nach wie vor wirtschaftliche Mengen produzieren. In Produktionsunternehmen treten im Laufe der Zeit aufgrund von Input- und Prozessvariabilitäten unterschiedliche Produktionszeiten und Ausbringungsmengen auf. Um die kontinuierliche Nutzung von Produktionsanlagen und -prozessen sicherzustellen und Stillstandszeiten zu vermeiden, kann die Lagerung von Halbfabrikaten erforderlich sein. Zudem können bestimmte Produktionsprozesse ununterbrochenen Produktionsabläufen unterliegen, in die nicht eingegriffen werden kann (z. B. Kühlprozesse, Glasöfen etc.). Einige Geschäftsbereiche wie die Lebensmittelbranche können erheblichen saisonalen Schwankungen unterliegen, die nicht allein durch eine Änderung der Produktionskapazität ausgeglichen werden können. Daher müssen in der Saison produzierte Produkte gelagert oder Vorabproduktionen durchgeführt und gelagert werden, um die saisonale Nachfrage zu decken.
Marktposition: Mengenrabatte, die bei Großabnahmen gewährt werden, sind ein weiterer Grund für die Lagerung. Die Verlagerung der Lagerkosten vom Verkäufer auf den Käufer wird durch Preisnachlässe und die Reduzierung von Beschaffungskosten (Bestellabwicklung etc.) ausgeglichen.
Lagerung als Phase des Prozesses: Bei einigen Produkten oder Prozessen wird die Lagerung durch die Erbringung von Mehrwertdiensten (Verpackung, Etikettierung etc.) zu einem Teil des Produktionsprozesses.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bestandsführung nicht nur eine Frage der Lagerung ist. Viel entscheidender sollte die optimale und effektive Steuerung der Produktströme, deren ideale Kombination, Menge und Struktur sein. In diesem Rahmen ist die Lagerverwaltung für den effektiven und effizienten Betrieb des Lagers verantwortlich, jedoch trägt das Supply Chain Management des Unternehmens eine größere Verantwortung im Hinblick auf den Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Es sollte nicht vergessen werden, dass auch ein Lager Kapazitätsgrenzen hat.
Quelle: Hompel, M.T., Schmidt, T. (2007), “Warehouse Management: Automation and Organization of Warehouse and Order Picking Systems”, Springer-Verlag, Berlin, ISBN-13: 978-3-540-35218-1